Tagung "Focus Caucasia 2.0"

Thema:

Focus Caucasia 2.0. Narrating, Imagining and Crafting 'Modernities' in the Caucasus

Termin und Ort:

20. Mai 2016, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Institut für Kaukasus Studien

Sprecher:

Tatia Khutsishvili Institut für Kaukasus Studien, Friedrich-Schiller-Universität Jena
Joseph Sparsbrod Institut für Kaukasus Studien, Friedrich-Schiller-Universität Jena
Simone Gasch Institut für Kaukasus Studien, Friedrich-Schiller-Universität Jena
Philipp Jäger Lehrstuhl für die Geschichte Aserbaidschans, Humboldt-Universität zu Berlin
Annabell Körner International Max Planck Research School ANARCHIE, Max Planck Institut für ethnologische Forschung in Halle
Sascha Roth International Max Planck Research School ANARCHIE, Max Planck Institut für ethnologische Forschung in Halle
Dr. des. Maja Razmadze Europa Universität Viadrina
Zsofia Maria Schmidt Osteuropastudien, Freie Universität Berlin

Zielgruppe der Veranstaltung:

Doktoranden, Postdoktoranden

Ziele der Veranstaltung:

Der Raum "Kaukasus" rückt angesichts der neuen politischen Entwicklungen und seiner Bedeutungen als Schnittstelle zwischen Orient und Okzident immer näher in den Mittelpunkt der Betrachtung in Europa. Ein Beispiel des wachsenden Interesses an dieser Region ist das im Jahr 2015 geschlossene Assoziierungsabkommen zwischen der EU und Georgien. Andererseits hat der im Jahr 2014 zwischen der Ukraine und Russland entflammte Konflikt angesichts der bereits existierenden Sezessionskonflikte in Transnistrien, Abchasien und Südossetien deutlich vor Augen geführt, wie bedeutsam diese Region für ein stabiles, sicheres und kulturell vielfältiges europäisches Projekt ist. Doch ist der Kaukasus keinesfalls ein Konflikt- oder Krisenherd, wie dies häufig in der westlichen Forschung oder in den Medien konstruiert wird. Auch nicht die bloße geografische, sprachliche und kulturelle Vielfalt oder Energieressourcen machen diese Region attraktiv und interessant. Vielmehr ist der Kaukasus ein vielschichtiger Ort, in dem unterschiedliche kulturelle Strömungen - europäische Bildungstraditionen, Modernen sowie orientalische Lyrik, Mystik, Weisheit und Vielfalt - zusammentrafen und höchst eigenständige Formen der Modernität, Solidarität und kultureller Koexistenz hervorbrachten.

Nach dem Ende des Sozialismus erlebt die Region einen tiefgreifenden Wandel in wirtschaftlichen, politischen, kulturellen und sozialen Bereichen. Es entstehen hybride Formationen, kreative Räume und Dynamiken, aber auch sozial motivierte Proteste und neue Ungleichheiten. Diese Entwicklungen finden in der im deutschsprachigen Raum vertretenen Forschung zu der Region nur am Rande Berücksichtigung und eine adäquate Thematisierung. Der Kaukasus wird vornehmlich aus der Perspektive der Modernisierungstheorien betrachtet, d. h. unter Annahme einer in den westlichen Gesellschaften bereits erreichten Moderne. Dies führte zur Entstehung kultureller Dichotomien und einer einseitigen Wahrnehmung des Kaukasus. Dabei gerieten die lokalen, spezifischen Vorstellungen, Strategien und die in der Gesellschaft seit dem Ende des Sozialismus stattfindenden Wandlungen aus dem Blickfeld.

Unser Symposium möchte an dieser Stelle ansetzen und dieses Konzept einer singulären Modernität mit Blick auf den Kaukasus aus der lokalen und europäischen Perspektive beleuchten und hinterfragen. Konkret wollen wir den Fokus darauf richten, welche Vorstellungen von Modernität in aktuellen urbanen Entwicklungen, Vergangenheitsdiskurse, Identitätsbildungen, Migration, Ökologie, Konflikten und sozialen Bewegungen zum Vorschein kommen und mit welchen Bedeutungen sie belegt werden. Welche eigenen Narrationen, Vorstellungen und Imaginationen von Modernität herrschen im Kaukasus? Welche Akteure gestalten die Prozesse der Produktion, Narration und Reproduktion der Modernitäten mit und welche Konstellationen, Paradigmen, Spannungen und Konflikte treten zutage? Die erkenntnisleitende Frage ist, wie Modernität in lokalen kulturellen Kontexten übersetzt wird und wie sie sich etwa in Bildung, sozialen Bewegungen, Kultur oder Wissenschaft niederschlägt. Durch die Analyse dieser Themenfelder werden nicht nur lokale Entwicklungen, Formationen, Aktivitäten und Akteure sichtbar gemacht, sondern die europäische Sicht auf das Konzept der 'Modernität' wird insgesamt erweitert.

Die Auswahl der Universität Jena als Veranstaltungsort, soll zum einen die hohe Relevanz des Institutes für Kaukasusforschung im Kaukasus unterstreichen. Zum anderen werden wir als Organisatoren die Vernetzung des Institutes innerhalb der FSU und darüber hinaus stärken. So ist der interdisziplinäre Austausch innerhalb der FSU und mit anderen Institutionen (Halle, Leipzig, Tbilisi) fester Bestandteil des Lehrangebots. Wir, die Organisatoren in Jena, wollen an diese Vernetzung anknüpfen und hoffen auf weitere Kooperationen mit anderen Fachgebieten, insbesondere der Slawistik und der Osteuropaforschung im Allgemeinen.

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